Mit der Zerstörung Comacchios (854 bzw. 946), das die Mündung des Po beherrschte, war der Handel bis Pavia und Piacenza frei – in die sich dahinter anschließenden Gebiete hatte schon ein Abkommen mit Karl III. die Handelswege geöffnet. Ähnliche Ziele verfolgte Venedig in Istrien. Viel schwieriger war das Verhältnis zu den Narentanern, den Piraten Dalmatiens. Erst 1000 gelang es dem Dogen Pietro II. Orseolo, das nördliche und mittlere Dalmatien seiner Oberherrschaft zu unterwerfen.
Die Privilegierung des Handels im Reich in Kombination mit der Beherrschung der Adria stellte das westliche Pendant zu einer ersten Goldbulle des byzantinischen Kaisers von 992 dar, der weitere Handelsprivilegien folgten. Wie im Westen, so war Venedig nun auch im Osten bevorrechtet. Im Gegenzug für militärische Hilfe gegen die Araber Süditaliens hatte Kaiser Basileios II. die Abgaben pro Handelsschiff beinahe halbiert. Gleichzeitig nahmen Venezianer Handelskontakte bis nach Tunis auf. Dorthin, und nach Alexandria, lieferten sie Holz, Waffen und Metalle, und slawische Sklaven – auch wenn dieser Handel 960 verboten wurde.
Der Durchbruch gelang 1082 mit dem Privileg Kaiser Alexios' I., das den freien Handel garantierte und große Teile des Reichs überhaupt erst öffnete. Eigene Kaufmannskolonien, Handelshäuser und Anlegestellen kamen an die Venezianer. Die mit Abstand größte Kolonie entstand dabei am Goldenen Horn in Konstantinopel.
Auch im Heiligen Land, das ab 1098 von den Kreuzfahrern erobert wurde, erhielt Venedig das Recht auf freien Handel, weil es 1100 Gottfried von Bouillon unterstützt, und vor allem Tyros, das Handelszentrum in Syrien, erobert hatte. Die Kolonien stellten eine fast autarke Stadt in der Stadt dar, meist sogar ummauert, von Syrien und Kleinarmenien aus dirigierten sie den Handel bis tief nach Asien. Auch Alexandria und der Maghreb wurden häufiges Ziel ihres Handels.
Das Pendant des Privilegs von 1082 stellte das Privileg Kaiser Heinrichs IV. dar, das er 1084 für das Heilige Römische Reich ausstellte. Tief verstrickt in den Investiturstreit erlaubte er Venedig den Handel im gesamten Reich, den Reichsbewohnern aber nur den Handel bis Venedig. Damit hatte die Stadt den Adriahandel monopolisiert, denn dort durften nur Waren nach Venedig gebracht werden, das heißt die Stadt setzte das Stapelrecht durch. Stapel und Umschlag zwangen die Händler von außerhalb dazu, sich in Handelshäusern einzufinden, wobei die als „Deutsche“ bezeichneten Händler aus dem Reich im Handelshaus der Deutschen wohnen mussten.
Die venezianischen Privilegien wurden zu einer Bedrohung des byzantinischen Handels und der Einnahmen des Staates. Obwohl die daraus resultierende Feindseligkeit seit Jahrzehnten erkennbar war, erfolgte die Verhaftung aller (angeblich) 10.000 Venezianer im Byzantinischen Reich am 12. März 1171 und das folgende Handelsverbot völlig überraschend. Das Händlerquartier am Goldenen Horn wurde praktisch aufgehoben. Der militärische Gegenschlag scheiterte trotz des Einsatzes von 120 Galeeren. In Venedig kam es zu Tumulten und der Doge Vitale Michiel II. wurde auf offener Straße erschlagen. Venedig verlor alle Vorrechte und konnte erst 14 Jahre später wieder ein wenig Fuß fassen. Mit dem IV. Kreuzzug bot sich dem Dogen Enrico Dandolo eine Gelegenheit zur Rache am verhassten Kaiserreich.
Die Eroberung Konstantinopels und die Errichtung eines Kolonialreichs machten Venedig, gegen den wachsenden Widerstand Genuas, zur Vormacht im östlichen Mittelmeer. Dieses Kolonialreich und das Lateinische Kaiserreich (1204–1261) bildeten den politischen Rahmen für die massive Expansion des Handels. Darüber hinaus partizipierten die Händler am Warenaustausch mit dem Heiligen Land, wo bis 1291 Akkon eine wichtige Handelsdrehscheibe bildete.
Der Handel war zunächst gar nicht in der Lage, solche Kapitalmengen aufzunehmen, so dass zahlreiche Adlige, aber auch „neureiche“ Popularen, die „Populari grassi“, Land auf der Terra ferma kauften – trotz des massiven Widerstands der betroffenen Städte.
Der Gegensatz zwischen den beiden Gruppen des Adels und der Neuaufsteiger löste sich nach und nach dadurch, dass die beiden Gruppen zum neuen, beherrschenden Stand der Magni verschmolzen. Diese teilten sich die politische Macht und die Gewinne aus dem Fernhandel. Des weiteren entstanden sowohl in Venedig als auch im Kolonialreich an vielen Stellen neue Machtpositionen, die den fast ausschließlich adligen Inhabern ein Auskommen sicherten. Damit war der neuformierte Adelsstand gegenüber der restlichen Bevölkerung erheblich privilegiert. Einige Adlige eroberten zudem in der Ägäis ganze Inselreiche.
Durch den intensivierten Handel und durch die Kriegsanstrengungen stieg der Bedarf an Schiffsbesatzungen stark an, was zahlreichen Männern Beschäftigung bot. Außerdem verringerte man die soziale Sprengkraft, die die Veränderungen bewirkten, indem drei- bis viertausend Männer nebst ihren Familien die Besiedlung Kretas ab 1211 übernahmen. Sie erhielten dort Feudalgüter und wurden so an den Möglichkeiten gesellschaftlichen Aufstiegs beteiligt.
Das Kolonialreich zog sich von der Lagune bis nach Kreta. Der Mittelpunkt des Kolonialreichs war zunächst die Kaufmannschaft am Goldenen Horn. Obwohl Venedig gar nicht in der Lage war, die während der Belagerung Konstantinopels als ihren Anteil vereinbarten drei Achtel des Byzantinerreichs in Besitz zu nehmen, sicherte es sich doch die wichtigsten Punkte, an denen Lagerhäuser, Unterkünfte, Getreide- und Schiffszwiebackspeicher, eigene Flotten und auch Nachrichtensysteme eingerichtet wurden, die den Handel stark beförderten und sicherten.
Zusätzlich saßen in Bari und Syrakus, in Tripolis und Tunis, auf den Balearen und in Valencia, Sevilla und Barcelona, in Montpellier, Nîmes und Aigues-Mortes, in Southampton und London, vor allem aber in Brügge – kleine, kapitalstarke, kundige Gruppen von Männern, die das Rückgrat des dortigen Handels bildeten. Dazu kam ein festes Kuriersystem, das Brügge und Venedig binnen acht Tagen verband. Schließlich konnten Händler Stationen in Augsburg, Ulm, Nürnberg, Frankfurt, Köln und Wien nutzen. Darüber hinaus zeigen zahllose Händlerbriefe, dass man sich mit jedem Schreiben über Preisschwankungen, Zolländerungen und Wechselkurse bis hin zu Gerüchten über politische Umbrüche auf dem Laufenden hielt.
Venedig, das um 1300 vielleicht 85.000 bis 100.000 Einwohner hatte, konnte die durch Handelsniederlassungen und Kolonisierungen entstandenen Bevölkerungseinbußen nur verkraften, weil zugleich viele Menschen in die Metropole einwanderten. Venedig förderte dabei, vor allem nach den Pestwellen ab 1348, die Zuwanderung von Spezialisten, wie Luccheser Seidenwebern oder Mühlenbauern und Bäckern aus dem Römischen Reich. Die Stadt wuchs dabei hauptsächlich nach innen, das heißt, bisher von Gärten und Sümpfen geprägte Stadtteile wurden zunehmend bebaut.
Ähnliche Kolonien wie die Handwerker bildeten die ausländischen Händler, die sich, wie die Mailänder, in einer Gasse nahe bei Rialto ballten. Ab dem 14. Jahrhundert traten die vor allem im Tuchhandel tätigen Toskaner hervor, die im Bankgewerbe eine wichtige Rolle spielten, allen voran die Florentiner. Aus Süditalien kamen vor allem Apulier, dazu Slawen, Griechen und Franzosen, wenn auch in geringerer Zahl. Ab etwa 1250 kamen Leute aus dem Reich – seien es Deutsche, Ungarn, oder Böhmen, die pauschal „Tedeschi“ genannt wurden – im „Handelshaus der Deutschen“ (Fondaco dei Tedeschi) unter. Eigene Visdomini del Fondaco überwachten die Tätigkeit der Bewohner, Makler vermittelten den Handel, überwachten ihn aber auch. Schließlich siedelte sich eine Gruppe von Zuwanderern, die Juden, mehrheitlich in Mestre an. Dort waren sie beispielsweise im Kreditwesen tätig und boten – zum Ärger der eingesessenen Wucherer – erheblich günstigere Kredite. Erst mit der Gründung des Ghettos ab 1516 lebte der überwiegende Teil von ihnen in einem abgeschlossenen Quartier.