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Behauptung zwischen den Weltmächten (Mitte 15. Jahrhundert bis 1571)

Mit dem endgültigen Fall Jerusalems (1244) verlagerte sich die Ausgangsbasis des Handels Richtung Bagdad und Täbriz nach Kleinarmenien. Doch mit der Expansion der ägyptischen Mamelucken bis nach Syrien – 1291 fiel als letzte Stadt Akkon – wurden die Venezianer aus dem Nahen Osten verdrängt. So drängten sie in den Handel über das Schwarze Meer Richtung Armenien, Persien, Turkestan. Nach zähen Verhandlungen wurden sie wieder zum Handel im Byzantinischen Reich zugelassen. Das war umso wichtiger, als die Durchfahrt durch den Bosporus die wichtigste Voraussetzung für den Zentralasienhandel darstellte. Nicht zufällig reiste Marco Polo von 1278 bis 1291 durch Asien. Ein zweiter Weg führte von Trapezunt über den Persischen Golf bis nach Indien, ein dritter führte von Tana an der Mündung des Don über Wolga und Kaspisches Meer bis nach Indien.

Einfache Kredite waren für den Handel zu teuer (ca. 20 % pro Jahr bei extremen Schwankungen, dazu hohe Bürgschaften), und auch der Handelskredit (mutuo ad negotiandum) bot nur den Vorteil, dass er durch Teilung des erwarteten Handelsgewinns abgedeckt werden konnte.

Für den Überseehandel setzte sich ab der 2. Hälfte des 12. Jahrhunderts der Seehandelskredit (prestito maritimo) durch, der eher eine Art Gewinnbeteiligung darstellte. Der Vorteil für die Kreditnehmer lag darin, dass sie über das Geld frei verfügen konnten und keiner sonst üblichen Kontrolle unterlagen. Die Comenda, die auf diese Art Geldgeber und Händler verband, weitete sich durch mehrere Teilhaber an einem einzelnen Unternehmen zur Colleganza aus. Von etwa 1200 bis 1350 war sie die vorherrschende Form der Handelsgesellschaft.

Dabei steuerte ein stiller Teilhaber etwa drei Viertel des Investivkapitals bei, der aktive Teilhaber, der die Handelsfahrt durchführte, den Rest. Zweck, Aufgabenverteilung und Anteile wurden vor der Reise schriftlich festgelegt, doch konnte der aktive Teilhaber seine Gewinne schon unterwegs wieder investieren. Stiller und aktiver Teilhaber waren zwei mögliche Rollen, die mit jeder Fahrt neu festgelegt wurden, wobei häufig mehrere stille Teilhaber das nötige Kapital stellten. So wurden die Risiken verteilt und zugleich Kumulationsmöglichkeiten eröffnet.

Aus dem Überseehandel wurde diese Gesellschaftsform erst Ende des 14. Jahrhunderts durch regelrechte Societates verdrängt, Handelsgesellschaften, die auf längere Zeit angelegt waren, und ohne Festlegung auf eine einzelne Handelsfahrt bestanden. Außerdem ermöglichten doppelte Buchführung und die Einrichtung fester Faktoreien im Ausland eine viel engere Kontrolle und Steuerung, zugleich aber auch eine engere Verflechtung mit den auswärtigen Märkten. Auch gestattete sie die reine Kapitalbeteiligung.

Gegen die mangelnde Kontinuität und Überprüfbarkeit dieser Geschäfte setzte man ein weiteres Konzept: das der Familie. So galten Brüder auch ohne Vertrag als Gesellschaft (fraterna societas). Damit hafteten sie füreinander.

Spätestens in der 2. Hälfte des 13. Jahrhunderts verkehrten Mude genannte Schiffskonvois meist zweimal pro Jahr, im Frühjahr und im August oder September. Dabei nahmen je 30 – 50 Schiffe teil. Anfangs waren die Schiffe, die in die Romania (das Gebiet des Byzantinischen Reiches) fuhren, kleiner, dafür ihre Zahl größer: meistens neun oder zehn Galeeren. Später fuhren oftmals nur zwei bis vier. Bald stieg die Zahl der Mude auf bis zu fünf pro Jahr. Ab Beginn des 14. Jahrhunderts fuhren sie auch nach England und Flandern, nach Tunis und Aigues-Mortes. Trotz sinkender Schiffszahlen stieg die Gesamtwarenlast von 3 bis 5.000 auf 7.500 bis 10.000 t an, immer größere Schiffe verkehrten, zu denen sich häufig auch unbewaffnete, private Schiffe gesellten.

Die Anpassung an die Zeiten der Befahrbarkeit des Meeres und die Passierbarkeit der Alpen stellte dabei die Rahmenbedingung dar. Zeitgerechte Lieferung der aus der Levante kommenden Waren an die Kaufleute des Reichs und umgekehrt war eine wichtige Voraussetzung für den schnellen Kapitalumschlag.

Doch nicht nur die Konkurrenz anderer Seemächte trug zur Unsicherheit auf dem Meer bei, sondern auch Piratenflotten. Das Machtvakuum, das die Auflösung der byzantinischen Flotte hinterließ, führte zu einem Aufleben der Piraterie in der gesamten Romania. So entsandte Venedig eine große Flotte von 31 Galeeren, der es schließlich gelang, einen Leo Vetrano („pirata“) mit seiner Flotte zu stellen und neun Galeeren zu kapern.1278 stellte Venedig eine umfangreiche Liste der Überfälle der letzten zehn Jahre zusammen. Piraterie wurde zu einem Faktor, der die Seehandelsorganisation dauerhaft veränderte.

Die Unterscheidung zwischen wertvollen Frachten einerseits und Massenverkehr andererseits setzte sich an Land fort. An der Dogana da Mar, wo alle „teuren“ Waren verzollt und eingelagert wurden, waren nur 40 Lastträger, beim Verladen von Mehl und Getreide, typischen Massenwaren, waren jedoch mehrere hundert beschäftigt. Zu den überaus teuren Waren zählten Gewürze, allen voran Pfeffer, Aromen und Parfüme, Farbpigmente, Edelsteine, Seide, aber auch edle Metalle. Dagegen wurden Eisen, Kupfer, Wollstoffe, später auch Leinen und Seide, exportiert.

Doch auch Massengüter wie Salz und Getreide, sogar Öl und Baumwolle, wurden in Konvois transportiert, obwohl es sich meistens um private Schiffe handelte. Solche zentralen Steuerungen waren nicht ohne Risiko, denn das gemeinsame Auftreten zahlreicher Händler an einem Ort führte zu heftigen Preisausschlägen.

Die Teilnahme an den Mude erfolgte durch Ersteigerung eines Teils des Schiffsraums. Diese Incanti waren öffentlich, aber nur wer die vollen Bürgerrechte „de intus et de extra“ besaß, konnte daran teilnehmen. Dazu musste man mindestens 25 Jahre in Venedig wohnen und Bürgen beibringen. Allein die Pacht für den Schiffsraum konnte leicht tausend Dukaten überschreiten. Das ist allerdings eine vergleichsweise geringe Investition, wenn man bedenkt, dass die Mude aus Beirut oder Alexandria im 15. Jahrhundert Waren für bis zu 200.000 Dukaten trugen.

Der Doge Tommaso Mocenigo nennt 1423 allein 45 Galeeren, 300 Segelschiffe mit mehr als 120 t und 3.000 Schiffe und Boote zwischen 6 und 120 t. Sie transportierten eher Massengüter, in erster Linie Getreide und Salz, aber auch Holz, Felle, Pelze, Wein, Baumwolle.

Das Holz zum Schiffbau stammte aus dem Cadore, aus Trentino und Tirol, ebenso von Istrien. Die Händler mussten es zuerst nach Venedig bringen. Das galt auch für Pech und Hanf. Zu dieser Zeit führte man jährlich 4 bis 500.000 Libre Hanf ein und 1000 Libre Pech.

Zehntausende Tonnen von Salz und bis zu hunderttausend Tonnen Weizen brachten private Händler nach Venedig – den überwiegenden Teil zum Weiterverkauf nach Oberitalien. Dabei setzte man jährlich Garantiepreise für Weizen aus, die präzise nach Regionen differenzierten, um den Zulauf bestimmter Sorten und Mengen zu steuern. Da Getreide den natürlichen Zyklen von Aussaat und Ernte unterlag, der Brotkonsum aber eher unelastisch war, trat eine eigene Institution als Zwischenhändler auf, die Weizenkammer (Camera Frumenti). Dazu bedurfte es aber umfangreicher Geldmittel, die durch Staatsanleihen, Zölle, Getreide- und Mehlverkauf, aber auch Mahl- und Wiegegebühren zusammenkamen. Bald nahmen diese Rücklagen den Charakter einer Staatsbank an, die Einlagen größten Ausmaßes, auch von ausländischen Potentaten, entgegennahm und verzinste, aber auch selbst Kredite vergab. Zugleich ergab sich eine enge Verflechtung mit den Prokuratoren von San Marco, die gern als „Finanzministerium“ bezeichnet werden.

Bereits 840 garantiert das Pactum Lotharii, ein Vertrag mit dem in Italien herrschenden Enkel Karls des Großen, Venedigs Flussschiffern freie Fahrt über „Land und Flüsse“ innerhalb des Regnum Italicum, wo sie große Mengen Getreide gegen die mitgebrachten orientalischen Waren und gegen Salz eintauschten. Dabei waren die Flussschiffe zwar eher klein, aber ihre große Zahl erlaubte trotzdem große Mengen zu transportieren, wie z. B. 1219, als rund 4.500 t Weizen von Mailand nach Venedig fuhren.

Doch diese schmalen Handelswege, die den Warentransport großen Stils zu Preisen erlaubten, die den Handel erst lukrativ machten, waren dauernde Konfliktherde. Je mehr Venedig von den Waren des Festlands abhängig wurde, desto mehr pochte man dort auf Durchfahrtsrechte und Zollbefreiung. Gleichzeitig patrouillierte eine venezianische Flussflotte auf dem Po und auf der Etsch. Eine bewaffnete Barke konnte zum Schutz von den Händlern herbeigerufen werden.

Städte wie Bergamo oder Brixen waren jedoch über Flüsse nicht erreichbar. Daher beschloss der Große Rat 1283, die Wege dorthin zu befestigen, was 1286 auch für die Wege der Deutschen und Ungarn gelten sollte. Dabei handelte es sich wohl eher um Saumpfade, die für Karren befahrbar waren. Straßen lassen sich erst im 15. Jahrhundert fassen, und erreichten auf zwei Wegen das Reich: über Kärnten und über den Brenner.

Spätestens ab dem 13. Jahrhundert unterlag der Schiffsverkehr, sei es der staatlich organisierten Konvois, sei es der eher „privaten“ Schifffahrt, strenger Kontrolle. Dass der Senat bei den Kriegsgaleeren und den mude die Leitung, die Mannschaft, Sold, Verpflegung, den Zeitpunkt der Abfahrt, die Fracht usw. bestimmte, überrascht wenig, doch auch die übrige Schifffahrt unterlag geradezu pedantischen Kontrollen. Das bezog sich etwa auf die Aushebungen von Mannschaften, vor denen viele flohen.

Ab einer Größe von 100 milliaria (ca. 48 Tonnen) musste jedes Schiff von einer eigenen Behörde untersucht werden. Diese Konsuln kontrollierten die Ausfahrt zum vereinbarten Zeitpunkt, die Anbringung der Ausgleichsfrachten und teilten Schiffsschreiber zu, die über die Verpflegung, Löhne und Frachten Buch führten. Sie spielten zudem eine wichtige Rolle bei der späteren Verzollung der Waren. Für die Bezahlung waren die Schiffsführer, die Patroni zuständig. Die Vorschriften gingen dabei sehr weit. So musste etwa jeder der mit einem Schiff reiste, auch die Passagiere, die außenbords angebrachte Ladelinie im Auge behalten, um Überladung zu verhindern. Für jede Fingerbreite, die diese Linie unter Wasser lag, wurde ein Bußgeld angedroht. Solche Vorschriften wurden im Seerecht des Ranieri Zeno von 1255 gesammelt, doch bestand wohl schon 1233 eine solche Sammlung. Dazu kamen Ergänzungen des Senats und weitere Sammlungen.

Venedig erhob zwar in der Frühzeit Abgaben auf Landbesitz und auf das Fernbleiben vom Militärdienst, aber ansonsten verzichtete man auf direkte Steuern.

Eine Haupteinnahmequelle bestand in Zöllen und Abgaben. Venezianer entrichteten dabei nur den halben Zoll. Wenn sie genauso viele Waren exportierten, wie sie importierten, wurden sie sogar gänzlich davon befreit. Dazu kam eine Gebühr für alle Schiffe, die im Hafen festmachten. Zu den genannten Abgaben zahlte jeder Händler noch eine Summe für sich und für das Schiff, sowie für sämtliche Genehmigungen. Abgaben wurden beim Lagern in den Speichern fällig und an der Waage. Dazu kamen Marktgebühren, Gebühren für die Handelsvermittlung, für Maße und Gewichte, und vor allem Verbrauchsabgaben.

1495 beliefen sich allein die Einnahmen aus Weizenzöllen auf mindestens eine halbe Million Soldi. 1513 wurden sie verdoppelt und neben dem Weizenzoll ein neuer Zoll auf Gerste erhoben. Die Ausfuhr war sogar doppelt so hoch mit Zöllen belastet.

Bei sprunghaft ansteigenden Ausgaben lieh sich die Kommune Geld von den vermögenden Familien. Das geschah meist zur Finanzierung von Kriegen oder zur Getreideversorgung. Zunächst waren diese Imprestiti genannten Anleihen ausschließlich freiwillig, doch 1207 wurde die erste Zwangsanleihe erhoben. Daneben wurden weiterhin freiwillige Anleihen erhoben.

Meistens betrugen freiwillige wie unfreiwillige Anleihen 0,5 bis 2 % des beeideten Vermögens, gemeint ist der mobile Besitz – dazu zählten Waren, Bargeld, Schmuck, aber auch Einnahmen aus Häusern und Grundbesitz. Wer vermögend war und nicht entsprechend zahlte, dessen Haus wurde im äußersten Fall zerstört; Ausnahmen sind erstmals 1268 fassbar. Schon 1262 gründete man eine „schwebende Schuld“, den Monte Vecchio, aus dem die Anleihen zurückgezahlt und verzinst werden sollten. Um die vermögenden Bewohner effektiver an den gemeinsamen Lasten, vor allem an der Kriegführung zu beteiligen, wurde vor 1250 ein Estimo, eine Vermögensschätzung, veranlasst. Außerdem durfte niemand bei den Incanti mehr investieren, als an Vermögen im Estimo erschien.

Jeder, der eine Anleihe zeichnete, erhielt eine Quittung. Diese „Anleihescheine“ konnten wiederum verkauft und beliehen werden. So entwickelte sich auf diese Papiere eine Art spekulativer Verkehr, dessen Kurse sich überwiegend an der außenpolitischen Lage orientierten. Als die Flotte Genuas 1379 Chioggia besetzte, fiel ihr Wert um beinahe 90 %. Zugleich konnte der Anteil der Anleihen am Vermögen der Zeichner die 100 % weit übersteigen – was nur scheinbar paradox ist, denn die Vermögen wurden von den Zeichnern selbst deklariert, wohl immer weniger in der tatsächlichen Höhe. Die Rückzahlung konnte Jahre auf sich warten lassen. Jedoch blieb die Verzinsung bis weit ins 15. Jahrhundert hinein bei 5 % – sie stellte also eher eine Dauerrendite dar. Gegen 1380 trugen rund 1.200 Zeichner die Hauptlast der Sonderausgaben.

Im 15. Jahrhundert senkte man den Zins auf bereits weiterverkaufte Anleihen und bot einen neuen Anleihetyp an, nämlich einen, bei dem der Zeichner sein Vermögen nie wiedersah, aber für alle Zeit Zinsen bezog (a fondo perduto).

Weitere Einnahmen bezog die Kommune aus der Verwaltung von Immobilien, Stiftungen und Vermögen ihrer Bewohner. Auch mussten kirchliche Einrichtungen Anleihen zeichnen, vor allem die großen Klöster, wie San Giorgio Maggiore.

Als besonders wichtig erwies sich, dass auch Ausländer ihr Vermögen bei der Weizenkammer (Camera frumenti) oder bei den Prokuratoren von San Marco deponierten. Zahlreiche Signori des Festlandes, wie die Carrara, hinterlegten hier ihr Vermögen, weil Venedig als besonders verlässlich und sicher galt. Doch bis weit in die 1360er Jahre versuchte eine Fraktion der Fernhändler die ausländische Konkurrenz aus Venedig hinauszuwerfen, was ihr zweimal gelang. Erst mit dem erneuten Wirtschaftsaufschwung ab den 1370er Jahren erkannten auch sie die Vorteile, die ausländisches Vermögen bei entsprechenden Kontrollen bot.

Gold und Silber waren das einzig zweifelsfrei anerkannte Tauschmittel. Doch im Hochmittelalter wuchs der Bedarf an genormten und besicherten Nominalen, etwa um bequem bei Bauarbeiten Löhne auszahlen zu können. Venedig begann jedoch erst im 12. Jahrhundert eigene Münzen zu prägen: Der Grosso mit seinem Silberanteil von etwa 2,1 g wurde für umfangreichere Käufe benutzt. Dazu kamen Soldo und Lira als reine Recheneinheiten – nicht als Münzen. Dabei entsprach ein Soldo di Grossi zwanzig, eine Libra di Grossi 240 Denaren.

Im Binnenhandel lief hingegen eine Münze um, die nicht Grosso genannt wurde (der Dicke), sondern Piccolo (der Kleine). Auch hier standen als Recheneinheiten Libra und Solidus oder Lira und Soldo zur Verfügung. Doch enthielt der Piccolo weniger als ein Zehntel Gramm Silber.

Legt man den Silberanteil zugrunde, so hatten 26,1 Piccoli den gleichen Wert, wie ein Grosso. Ab 1268 durften nicht mehr als 25 der kleinen Denare ins Ausland gebracht werden. Der Piccolo zirkulierte folglich in Venedig und den Orten der Lagune, der Grosso im Ausland.

Das Vertrauen ausländischer Geschäftspartner in die Stabilität erhielt man, indem nur der Piccolo Wertschwankungen unterworfen wurde, im Allgemeinen Abwertungen. Um diese Schwankungen in internationalen Abmachungen nicht berücksichtigen zu müssen, und damit Investoren zu verschrecken, wurde sogar neben Lira di Piccoli und Lira di Grossi eine dritte Zählwährung erfunden, die so genannte Lira a Grossi, deren Verhältnis zum Piccolo immer bei 1 zu 26 lag, egal, wie sich das Wertverhältnis zur Lira di Grossi entwickelte.

Venezianer zahlten im Osten mit Silber und nahmen das dort umlaufende Gold wieder mit. Während Silber im Westen an Wert verlor, floss gleichzeitig das künstlich teuer gehaltene Silber nach Osten ab. Venedig drohte sozusagen die Eingliederung in die arabisch-byzantinische Welt, in der Gold vorherrschte, und damit der Verlust der Funktion als Handelsdrehscheibe durch Auszehrung seiner Silberreserven. Florenz und Genua erging es genauso. Sie ließen ab 1252 daher Gold- und Silbermünzen gleichzeitig zirkulieren. Venedig zögerte, da hier der Goldzustrom wesentlich geringer war. Erst 1284 begann unter dem Dogen Giovanni Dandolo die Prägung des goldenen Dukaten. Für den Fernhandel standen nun Silbergrossi und Golddukaten zur Verfügung. Ab Juni 1285 war ein Dukaten 18,5 Grossi wert. Das zunächst eingeführte feste Wertverhältnis von 1 zu 10,7 musste wegen der sonst üblichen Handelsmargen 1296 aufgegeben werden. 1328 senkte der Senat dieses Verhältnis auf 1 zu 24, womit eine Lira di Grossi genau 10 Dukaten entsprach.

War Gold 1284 noch elfmal so teuer wie Silber, so stieg der Kurs 1305–1330 auf 1 zu 14,2. Seit den 1330er Jahren kam es jedoch zu einem verstärkten Goldzustrom, der den Silberverfall bremste. Außerdem lieferten ungarische Minen ab etwa 1320 große Goldmengen. Binnen weniger Jahre stellte sich Venedig weitgehend auf Gold um, wurde sogar zum größten Goldexporteur, wo es früher der größte Silberexporteur gewesen war. Daneben begann Venedig 1330 erstmals mit der Prägung einer Soldo-Münze – allerdings mit einem Wert von 16 bis 18 statt 20 Piccoli.

Doch die Pilgerreise König Mansa Musas von Mali nach Mekka brachte zehn Tonnen Gold auf den Markt. Die Wertrelation der beiden Edelmetalle fiel schlagartig von 1 zu 20 (1340) auf 1 zu 11 (1342), bis 1350 schließlich auf 1 zu 9,4. Silber wurde immer teurer, Gold immer billiger. Wohl in den 1370er Jahren kam es jedoch zu einem fast vollständigen Abreißen der Goldkarawanen.

Man versuchte durch Zollbefreiungen die Zufuhr des jeweils nur mangelhaft einlaufenden Edelmetalls zu verstärken. 1354 stelle Venedig die Prägung des Grosso ein, um durch ein künstliches Unterangebot seinen Wert zu halten – was bis 1379 auch gelang. In dieser Zeit stabilisierte sich die Gold-Silber-Relation bei etwa 1 zu 9,9 bis 1 zu 10,5, überschritt nie wieder den Wert von 1 zu 12,5. Entscheidend war wohl, dass Venedig seine Gewürze – bekannt ist der Pfefferreichtum –, die es praktisch zu einem Monopol ausbaute, fast nur noch mit Golddukaten kaufte. Venedig wurde damit auf Dauer zum größten „Goldleck“ Europas.

Der Zwangsumtausch in Münzen, deren Realwert erheblich niedriger war als ihr Nominalwert, war ein oft eingesetztes Mittel. 1353 schuf der Senat eine eigene Münze für die Kolonien: den silbernen Tornesello. 1362 wurde eine große Ladung Torneselli nach Kreta gebracht, wobei es niemand wagen durfte, die neuen Münzen abzulehnen. 1 Tornesello entsprach 1,6 Piccoli, der offizielle Wechselkurs lag aber bei eins zu drei. Die Münze war also fast doppelt so hoch bewertet, wie es dem tatsächlichen Edelmetallanteil entsprochen hätte. Anfang 1386 stellte der Senat fest, dass in diesem Jahr 4000 Dukaten Reingewinn aus diesem Geschäft gezogen worden seien.

Auf ähnliche Weise verfuhr die Zecca im Veneto mit dem Bagattino. Doch kollidierte diese Geldpolitik mit den Interessen Mailands, das 1429 eine gezielte Destabilisierungspolitik begann, indem es überbewertete Münzen in Umlauf brachte, die im Tausch gegen venezianisches Silbergeld 20 % Gewinn einbrachten. Sofort reduzierte Venedig den Silbergehalt des Bagattino von 11 auf 5,5 %. Gleichzeitig verlangte es Abgaben seiner „Untertanen“ in „guten“ Münzen.

Erst 1472 verabschiedete sich Venedig von dieser Variante des „Münzimperialismus“, der die Terra ferma auf Dauer ruiniert hätte. Insgesamt verzögerte diese Münzpraxis die Entwicklung einer Gewinn bringenden Landwirtschaft, da Gewinne ständig vom Fiskus eingestrichen wurden.

Die großen Vermögen entstanden im Fernhandel und mit Immobilien. Damit steht Venedig in Gegensatz zu den Metropolen Oberitaliens, wie Florenz, wo es eher Geldverleiher und Bankiers zu enormen Vermögen brachten. Dennoch brauchte Venedig Bankiers.

Als erstes dürfte der wachsende Bedarf, von einer Währung in die andere zu wechseln, dazu geführt haben, dass am Platz vor San Giacomo di Rialto nahe der Rialtobrücke – und in geringerem Maße auf dem Markusplatz – die ersten Wechslertische aufgestellt wurden. Diese Campsores tauschten per Hand Münzen gegen Münzen. Doch das genügte den Bedürfnissen nach schnellen Münztransfers zwischen weit auseinander liegenden Orten nicht. So genannte Banchi de scripta, in denen „auf Zuruf“ ein Kunde der Bank von seinem Konto auf ein anderes „überweisen“ konnte, übernahmen zunächst diese Aufgabe. Dazu mussten aber beide, Geber und Empfänger, ein Konto bei derselben Bank haben.

Bald bediente man sich beim Begleichen von Schulden und Krediten zwischen Kunden verschiedener Banken einer einfachen Form des Wechselbriefs. Das ermöglichte die Überweisung durch schriftliche Anweisung, wenn diese Form des Geldtransfers in Venedig auch erst spät greifbar ist.

Bei diesem Vorgang muss man im Auge behalten, dass das Handelsvolumen oftmals den Mengen an verfügbarem Edelmetall vorauseilte, so dass leicht ein Mangel an Münzen entstehen konnte, was die Handelsaktivitäten auf bloßen Tauschhandel zurückwarf. Daher war ein münzloser Geldverkehr bald unverzichtbar.

Verschärft wurde der Kreditbedarf durch die Kommune selbst. Dabei trat sie oft als Kreditnehmer auf, um beispielsweise Kriege oder Weizenimporte zu finanzieren. So störten große Kreditaufnahmen den Kredit- und Geldmarkt und trieben die Zinsen in die Höhe. Erst der wachsende Geldumlauf ab der 2. Hälfte des 14. Jahrhunderts reduzierte langsam das Zinsniveau.

Der Wechsel taucht kurz nach 1200 in Venedig auf. Doch noch 1227 schickte man lieber einem Weizenaufkäufer im städtischen Auftrag unter hohen Sicherheitsmaßnahmen Silberbarren nach Apulien hinterher, als dieses Transfermittel einzusetzen. Es dauerte noch ein Jahrhundert, bis der Gebrauch des Wechsels beinahe selbstverständlich war.

Bald haben sich Bankiers als „Wechselmakler“ auf die Spekulation auf Wechsel spezialisiert. Dabei wurden für diese Geschäfte bereits Provisionen eingezogen, dazu die Kosten für Wechsel, Briefe und andere Posten.

Eine andere, weniger an einzelne Personen gebundene Art der Spekulation lebte von den schwankenden Geldmärkten. Sie war damit auch sicherer für den „Anleger“. So stieg der Bedarf an Gold, wenn die regelmäßigen Schiffskonvois nach Syrien und Ägypten ausliefen, um dort Luxuswaren einzukaufen. Dadurch wurde der Geldmarkt eng und man erzielte regelmäßig höhere Gewinne auf Wechsel.

Venedig war keine reine Handelsstadt. Zur Schiffbauindustrie mit ihrem Bedarf an Holz, Metall, Pech, Hanf usw. kam die „Bauindustrie“. Die wachsenden Vermögen ermöglichten Gewerbe, die Leder, Pelze, Tuche, Edelsteine, aber auch Waffen, Kristalle und Glas in höchster Qualität bereitstellten.

Jeder Import konnte dabei zu neuen Veredlungen führen. So wurde syrische und zypriotische Seide zu Barchent weiterverarbeitet. Davon wurde wiederum ein erheblicher Teil über die Alpen verkauft, ebenso wie Zucker, Öl und Wein, aber auch Seide.

Die Handwerke waren in zunftartigen Verbänden organisiert, den Scuole, die aber in Venedig nie die Macht gewannen, wie etwa in Florenz. Zum einen wurden sie stärker kontrolliert und gesteuert, zum anderen stärker in die Staatsrepräsentation eingebunden.

Marangoni und Calafati, Schiffszimmermänner und Kalfaterer, gehörten zu den wichtigsten Handwerken, die durch den Ausbau der Werften in der Stadt, den squeri, vor allem aber durch das Arsenal stark zunahmen. Dabei bestand eine Konkurrenz um ihre Arbeitskraft zwischen dem staatlichen Kriegsschiffbau und dem eher privaten Bootsbau. Auf Anordnung mussten die Schiffshandwerker ihre Arbeit liegen lassen und im Arsenal mitarbeiten. Zwar mussten die Meister in einer Art Handwerksrolle eingetragen sein und durften bis zu zwei Gehilfen mitbringen, aber ansonsten war der Betrieb des Arsenals in der Hand der Kommune, die für Verpflegung, Material und Arbeitskräfte sorgte – und deren Entlohnung. Die squeri, die von einem oder einer Gruppe von Gesellschaftern geführt wurden, engagierten im Allgemeinen einen Protomaestro, der wiederum Maestri einstellte. Sie, die eher Facharbeiter darstellten, erhielten einen Werk- oder Wochenlohn, durften aber Lehrlinge und Gehilfen mitbringen. Dabei konnte der Besitzer des squero genauso gut die Arbeit steuern, oder seine Arbeitsstätte den Auftraggebern überlassen, die nur Pacht dafür zahlten. Tommaso Mocenigo, Doge von 1414 bis 1423, berichtet, dass in Venedig 3000 Marangoni und weitere 3000 Calafati arbeiteten.

Das Potenzial des Schiffbaus für den Export war hoch, aber Sicherheitsinteressen und die Wahrung von Produktionsgeheimnissen veranlassten spätestens 1266, dass Ausländer nur noch mit höchster Genehmigung Schiffe in Venedig bauen lassen durften, ab 1293 gar nicht mehr. Ähnliches galt für die Segelmacherei und die Seilwinderei, die überwiegend für den städtischen Markt und die Marine arbeiteten. Allein die Segelmacher und Seilwinder brauchten große Mengen an robusten Tuchen und Fasern, während selbst einfache Kleider aus feineren und teureren Tuchen hergestellt wurden. Auch unterschieden sich ihre Ausgangsmaterialien und ihre innere Organisation dermaßen, dass sie eine weitgehend unabhängige Entwicklung nahmen.

Allgemein war die handwerkliche Produktion eher auf den lokalen Markt ausgerichtet. Dennoch brauchte auch diese Produktion Rohstoffe aus weit entfernten Gegenden. So importierte man Baumwolle von Sizilien, aus Ägypten und Syrien. Im 15. Jahrhundert produzierten auch die Kolonien, wie Kreta, später auch Zypern, Baumwolle und vernachlässigten dabei sogar die Getreidekultivierung.

Der überwiegende Teil der Tuche wurde importiert. Erst um 1300 kann man eine gewisse Förderung durch die Magistrate erkennen. Anweisungen an alle Magistrate, nur venezianische Stoffe zu tragen, sorgten für einen Anstieg der Produktion.

Doch der Entwicklung der Wollindustrie standen Handels- und fiskalische Interessen im Wege. Zum einen importierten die Fernhändler die feinsten Wollstoffe aus Flandern, um sie in den Nahen Osten zu exportieren. Trotzdem dürfte davon viel in Venedig „hängen geblieben“ sein, was der lokalen Industrie geschadet haben dürfte. Auch die noch nicht voll entwickelten Qualitäten aus der Toskana standen schon im 13. Jahrhundert auf der Liste der hohen Zölle, die dem Fiskus zuflossen – erst recht, als sie später die besten Tücher überhaupt lieferten. Fiskus und Fernhändler hatten weder Interesse an einer heimischen Industrie, noch hatte man das nötige Know-how – und wenn, dann ging es in der überlegenen Konkurrenz unter.

Ganz anders war die Situation der Seidenindustrie, die schon vor der Zuwanderung aus Lucca bestand, durch diese aber Menge und vor allem Qualität steigerte. Die Meister waren hoch qualifiziert und stießen durch ihre Arbeit andere Produktionen an, wie Färbereien und Goldwirkereien. Solche Prachtstoffe wurden zunehmend von einer reich gewordenen Händlerschicht nachgefragt.

Die Raffinierung des Zuckers kam im 14. Jahrhundert auf. Der Rohzucker kam dabei vor allem von Zypern, aber auch von Sizilien und aus Ägypten.

Die Produktion von Glas lässt sich bereits für das 4. Jahrhundert nachweisen. Bis 1291, als man wegen der Brandgefahr die Glasöfen nach Murano verbannte, bestanden Glasbetriebe innerhalb der Stadt. 1295 wurden alle Meister aus der Zunft entfernt, die auch nur einen der inzwischen zahlreichen Glasöfen außerhalb Venedigs betrieben. Außerdem durfte kein Ausländer in die Geheimnisse der Glaskunst eingeweiht werden.

Glas wurde fast ausschließlich mit der Glasmacherpfeife geblasen und gedreht, selbst Fensterglas. Glasfenster waren lange ein ungeheurer Luxus, was sich nicht nur aus der aufwändigen Technik und dem hohen Energiebedarf erklärt, sondern vor allem daraus, dass für die Gewinnung eines der Vorprodukte, der Pottasche, enorme Pflanzenmengen verbrannt werden mussten. Um ein Kilogramm Pottasche zu gewinnen, brauchte man 1000 Kilogramm Holz. Die Beimengung von Pottasche zur Glasmasse war notwendig, um den Schmelzpunkt von etwa 1800 °C auf 1200 °C zu senken. Als Grundmasse für das Glas achtete man darauf, möglichst weißen Sand für das cristallo zu benutzen. Hochreiner Glassand aus dem Ticino oder gebrannter Marmor dienten als Grundstoff.

Wenig erforscht ist der umfangreiche Handel mit Glasperlen, mit denen Murano über Zwischenhändler wie die Hudson's Bay Company ganz Amerika, aber auch Asien und Afrika vom 16. bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts versorgte. Diese reichten von einfachen Perlen bis zu handpolierten Kunstwerken. Sie wurden von verixelli hergestellt, während die phioleri Flaschen und dergl. herstellten.

Im 15. Jahrhundert dominierten die iberischen Reiche zunehmend den Mittelmeerraum – und das Osmanenreich. Dennoch band Venedig fast alle seine Kräfte in Italien. Die Kriege gegen das rivalisierende Mailand brachten es dabei an die Grenze der ökonomischen Belastbarkeit. Da die Kriegsfinanzierung auf Zwangsanleihen basierte, schlug sich dies bereits nach zwei Jahren der Kriegführung darin nieder, dass 59 % des beeidigten Vermögens eingezogen wurden. Zwar kam es 1428–31 zu einer gewissen Beruhigung, aber von 1431 bis 1441 näherten sie sich manchmal der Marke von 40 % – insgesamt summierten sie sich auf 288 %. Abgesehen davon, dass zwischen dem geschätzten Vermögen, das diesen Zahlen zugrunde liegt, und dem tatsächlichen eine immer größere Lücke klaffte, bedeutete dieses Verfahren doch für zahlreiche Familien den Bankrott. Zudem kam es zur Herabsetzung der jährlichen Zinserträge von 5 auf 4 %, dann auf 3 %.

Als Francesco Sforza 1450 Herzog von Mailand wurde, und die Osmanen 1453 Konstantinopel eroberten, entwarf der Senat ein Programm von ungewöhnlicher Schärfe: Fast alle Staatseinnahmen sollten nur noch der Kriegsfinanzierung dienen, alle Gehaltszahlungen wurden für ein Jahr eingestellt, alle Mieter brachten eine halbe Jahresmiete ein, alle Vermieter ein Drittel ihrer Einnahmen für Häuser und Läden. Die jüdische Gemeinde musste einen Sonderbeitrag von 16.000 Dukaten leisten. Schließlich wurden die Zölle angehoben, die Liegegebühren für die Schiffe und deren Ladung. Die direkte Besteuerung nicht nur der Bewohner der Terra ferma, sondern auch der Venezianer selbst, wurde nie wieder aufgegeben.

Immerhin erreichte Venedig am 18. April 1454 einen Friedensschluss mit den Osmanen, der die Häfen für seine Händler offen hielt. Darüber hinaus bestand die Kolonie in Konstantinopel weiter, und nur verkaufte Waren unterlagen einem moderaten Zoll von 2 %. 1463 begann Venedig einen neuerlichen Krieg. Mit dem Frieden vom 26. Januar 1479 musste es auf das albanische Scutari und auf Negroponte, das heutige Euböa, verzichten und einen jährlichen Tribut von 10.000 Dukaten leisten. Immerhin blieb der Handel frei, sogar bis zur Krim und nach Trapezunt. Doch die Haupthandelsrouten verlagerten sich immer mehr nach Beirut und Alexandria. Auf dem Tiefpunkt, 1483, fuhr keine einzige Galeere mehr nach Konstantinopel.

Jedoch florierte der Handel mit Flandern, vor allem der mit Gewürzen, in erster Linie Pfeffer. 1486 trugen vier Galeeren Waren im Wert von 180.000 Dukaten an Bord. Ähnlich florierte der Handel Richtung Frankreich und nach Tunesien. Dabei spielten „neue“ Massenwaren, wie Wein, Metalle, Seife, Stoffe eine zunehmende Rolle.

Trotz aller Schwierigkeiten dürfte Venedig am Ende des 15. Jahrhunderts größte Prosperität genossen haben.

Methoden, den eigenen Handel und die eigenen Industrien zu protegieren, gab es schon sehr lange. Doch die Eingriffe der Jahre 1423 und 1436 stellen insofern einen Höhepunkt des Protektionismus zugunsten der Tuchindustrie dar, als sie das Tragen von Tuchen, die in Städten des Festlands erworben worden waren, streng verboten. Damit nahmen zwei eng verflochtene Industrien einen weiteren Aufschwung, nämlich die Färberei und die Seidenproduktion. 1421 durfte Seide kaum noch importiert werden. 1457 verbot man sogar auf der gesamten Terra ferma den Export von Rohseide, es sei denn, sie war erst nach Venedig gebracht und den üblichen Zöllen unterworfen worden. So beschäftigte die aufstrebende Seidenindustrie nach 1500 rund 2.000 Seidenweber, und war damit neben der Produktion von Brokat und Damast, die größte Luxusindustrie.

Die größten Industrien waren jedoch weiterhin die Bauindustrie und der Schiffbau. Doch gerade letzterer war ab etwa 1370 nicht mehr in der Lage, ausreichend Kalfaterer und Schiffszimmerleute zu beschäftigen, so dass sie in großer Zahl abwanderten. Darüber hinaus hatte der Senat die Löhne der 6.000 Kalfaterer und Schiffszimmerleute so hoch angesetzt, dass die Schiffsproduktion Schwierigkeiten hatte, sich gegen die zunehmende Konkurrenz zu behaupten.

Eine gewisse Entspannung brachte hier die Entwicklung neuer Produktionszweige, wie etwa die des Zuckerrohrs. 1366 war es der Familie Corner di San Luca gelungen, auf Zypern große Ländereien zu erwerben. Das dortige Zuckerrohr machte sie zu einer der reichsten Familien Venedigs. Auf Zypern lag der Produktionsprozess bis zum raffinierten Zucker noch weitgehend in einer Hand, doch die Verfeinerung wurde partiell in Venedig durchgeführt.

Für andere Waren galt dieser Grundsatz noch viel deutlicher, sowohl für alte Produktionszweige, wie die Herstellung von Pelzen und Leder, als auch für neue, wie die Seifenproduktion. Letztere verteilte sich überwiegend auf eine große Menge kleiner Betriebe, aber sie ließ auch Raum für kapitalstarke Unternehmen. Auch die Produktion von Kerzen entwickelte zunehmend eine Arbeitsteilung, bei der auf dem Balkan Rohwachs gewonnen wurde, der erst in Venedig zu Kerzen verarbeitet wurde – auch für den Export. Diese Arbeitsteiligkeit zwischen Rohstoffgebieten auf der einen Seite und Veredelung in Venedig auf der anderen wurde noch dadurch verstärkt, dass bereits raffinierte Produkte der Terra ferma häufig nur über Venedig exportiert werden durften.

Doch die Wirtschaftspolitik, die zunehmend Konturen gewann, war nicht nur darauf bedacht, die Gewinne nach Venedig zu lenken, den Fiskus zu stärken oder die Beschäftigungsmöglichkeiten zu schützen und zu erweitern. Sie ermutigte darüber hinaus Ausländer zum Einbringen neuer Technologien, bald auch von Kapital. Schon im 13. Jahrhundert hatte man aus dem Reich angelockten Inzenieri ermöglicht, Windmühlen zu bauen. Sie erhielten seit dem frühen 15. Jahrhundert nicht nur erleichterten Zugang zu Finanzierungsmöglichkeiten, Baugenehmigungen und Wegerechte, sondern vor allem einen ersten, echten Patentschutz. Damit konnten erstmals Konstrukteure komplizierter Maschinen, wie sie die im Nordwesten Europas entwickelten Windmühlen darstellten, ihre Erfindungen mehrere Jahrzehnte ökonomisch nutzen, ohne fürchten zu müssen, von Plagiatoren verdrängt zu werden. Binnen weniger Jahrzehnte erhoben sich in Venedig Dutzende von großen Windmühlen, die einen erheblichen Teil des enormen Mahlbedarfs deckten.

In dieser „innovationsfreundlichen“ Umgebung erhielt Johannes von Speyer 1469 ein Privileg, das ihm gestattete, mit beweglichen Lettern zu drucken. Innerhalb weniger Jahre stieg Venedig zur Buchpresse Italiens auf, im 16. Jahrhundert sogar zu der ganz Europas. Fünfzig Druckwerkstätten erreichten dabei nicht nur große kulturelle Bedeutung, sondern waren auch ein gewichtiger Wirtschaftsfaktor in der Stadt (vgl. Buchdruck in Venedig).

Einen wesentlich langsameren, aber umso nachhaltigeren Aufschwung nahm die Glasindustrie. Der wachsende Bedarf an Gefäßen, aber auch an Fensterglas, Linsen und Brillen, vor allem aber an Spiegeln machte sie zu einer der ertragreichsten Industrien. Schon im 15. Jahrhundert erscheinen 41 Geschäfte, in denen nur der Verkauf betrieben wurde. Doch der Löwenanteil war bald für den Export bestimmt. Dabei gesellte sich zum berühmten cristallo eine weitere Wiederentdeckung, das lattimo oder das Milchglas, ein opakes, weißes Glas.

Dank des Ausbaus der Stadt zu einem Gesamtkunstwerk blühten die Werkstätten der Steinmetze, die neben den staatlichen Prunkbauten auch zahlreiche Paläste, Brücken und Straßen ausbauten und verschönten. Aber auch Intarsienarbeiten und Kassettendecken brauchten zahlreiche Handwerker und Künstler, Maler, Bronzegießer, Gemmenschneider, und zahlreiche andere Künste versorgten einen schnell wachsenden Luxus- und Kunstmarkt.

Zwei Aufgaben ließen sich nur durch Ad-hoc-Maßnahmen finanzieren: Kriege und die Lebensmittelversorgung. Der Monte Vecchio als eine Art „öffentlicher Schuld“ speiste sich entweder aus Anleihen oder aus Zöllen – also entweder aus der Belastung der Vermögen der pflichtigen Familien oder aus der Belastung des Fernhandels. Um diese grundsätzliche Frage tobte ein langer Streit, wobei der Senat meistens das Mittel der Zwangsanleihe bevorzugte. Erst als der Kurs der Anleihescheine 1474 auf 13 % abstürzte, war das Ende dieses Systems nahe.

Für die Zeichner der Zwangsanleihen hatte der Niedergang dieses Finanzierungssystems gravierende Folgen: Zunächst sank der Zinssatz auf 1 %, dann geriet die Zahlung immer länger in Verzug. 1453 war man bereits 8 Jahre mit der Zinszahlung in Verzug geraten, 10 Jahre später bereits 13, 1480 bereits volle 21 Jahre.

1463 führte Venedig eine direkte Steuer ein. Zum Abschluss brachte man diese Entwicklung 1482 mit der Schaffung des Monte Nuovo. Die Abgabe basierte nicht mehr auf den schwer zu überprüfenden Angaben des Pflichtigen, sondern bezog die in einem Kataster erfassten Immobilien und ihre Erträge mit ein. Das neue Erfassungssystem bewirkte, dass Venedig aus seinem inzwischen erheblich größeren Herrschaftsbereich rund eine Million Golddukaten einziehen konnte. Damit war die Stadt eine der vermögendsten Mächte der damaligen Welt.

Schon 1407 stellte der Senat fest, dass „Syrien“ (gemeint war der gesamte Nahe Osten) nach Gold verlange, nicht mehr nach Silber. Dennoch gab man dieses Zahlungsmittel nicht sofort auf. Das könnte mit dem Wechselkurs zwischen dem goldenen Dukaten und den in Venedig umlaufenden „kleinen“ Denaren, den Denari piccoli zusammenhängen. 1284 entsprach ein Dukaten noch 576 Piccoli, 1380 bereits 1.032 und 1417 sogar 1.212. Zwar konnte der Rat der Zehn, der das Münzwesen strenger zu ordnen versuchte, die Abwertung zwischen 1472 und 1517 bei 1:1.488 stoppen, doch danach verfiel der Piccolo bis 1592 endgültig und erreichte ein Wertverhältnis von 1:2.400. Diese Wertminderung des Piccolo lässt sich weder aus dem Wertverhältnis zwischen Gold und Silber ableiten, noch genügen äußere Faktoren, wie Pest und Kriege, als Erklärung. Zum einen fiel bei Minderung des Edelmetallanteils der Ausgabepreis nicht in gleichem Maße – die Differenz zog der Fiskus ein. Schon 1379 lag diese Differenz bei 19 %. Bei diesen Verfahren wurde die Münze allerdings nach und nach so klein, dass man bald neue Münzen mit dem vierfachen (Quattrino) oder gar achtfachen (Ottino) Wert des Piccolo prägte. Doch das genügte bald nicht mehr, und so erschienen bald Münzen zu 2 und 4 Soldi, was 24 und 48 Piccoli entsprach.

Für alle, die auf die Erträge aus der Binnenwirtschaft angewiesen waren, stellten diese Maßnahmen eine schwere Belastung dar. Doch der Senat wurde überwiegend von Fernhändlern dominiert, die im Gegenteil von günstigen Löhnen und Produkten profitierten. Im Großen Rat sah die Interessenverteilung etwas anders aus, so dass hier 1456 die Forderung gestellt wurde, die Prägung von Kupfermünzen endlich einzustellen. Diese Münzen waren inzwischen die einzigen, die noch auf dem Festland umliefen, da die Silbermünzen viel zu unzuverlässig waren. Daher hatte die feindliche Geldpolitik Mailands, die das venezianische Münzsystem in ein völliges Chaos zu stürzen drohte, eine vom Senat selbst geschaffene Basis.

1472 zog der immer mächtiger werdende Rat der Zehn die Münzaufsicht an sich und ordnete an, alle Münzen einer Echtheitsprüfung zu unterziehen. Die Silbermünzen wurden in ihrem Wert neu festgesetzt, ein weniger wertvoller Grossetto geprägt, dazu ein teurerer Grossone, der so viel Silber enthielt, dass 24 Grossoni wieder einem Dukaten entsprachen.

Dazu befahl der Rat, die alten Denare einzuziehen und stattdessen erstmals eine Lira (= 240 Denar) in Umlauf zu bringen. Sie wurde nach dem herrschenden Dogen Lira Tron genannt. Der rigorose Kurs der „Zehn“ sorgte dafür, dass in den nächsten 45 Jahren ein Golddukaten immer 124 Silbersoldi entsprach.

Schon im ersten Viertel des 15. Jahrhunderts lassen sich 14 private Banken nachweisen. Sie hatten ihren Sitz am Rialtomarkt, der gleichsam zu einer täglich am Vormittag stattfindenden Börse avancierte.

Dabei hatte eine Banco de Scripta nicht nur reine Notarsfunktion, indem sie Kontobewegungen beglaubigte, sondern die Kunden mussten eine Kaution hinterlegen, womit der Bank große Vermögen zur Verfügung standen. Dem Senat war daran gelegen, die Risiken der Kreditvergabe aus diesen Kautionen, die die Bankiers trotz Verboten durchführten, zu begrenzen. So durften sie ab 1404 auf keinen Fall mehr Geld in Handelsunternehmungen anlegen, als sie Anleihen gezeichnet hatten. Nur beim Handel mit Getreide durfte dies außer Kraft gesetzt werden. Man ging das Risiko eines Bankrotts (banca rotta) ein, wenn damit die Getreideversorgung sicherer wurde.

Ursprünglich ein Mittel zum Tausch zwischen verschiedenen Münzen an verschiedenen Orten, entwickelte sich der Wechsel zum wichtigsten Mittel der Übertragung von Geldwerten – trotz des kirchlichen Zinsverbots. Dieses Zinsverbot richtete sich gegen eine Eigenheit des Wechsels, die sich gewissermaßen ungewollt entwickelte. Da zwischen den Tauschvorgängen eine gewisse Zeit verstrich, wurde dieses Verfahren fast sofort zu einem Mittel des Kredits, wofür man mehr oder minder gut kaschierte Zinsen verlangte.

Außerdem konnte man mittels Wechseln von den Wechselkursen zwischen den verschiedenen Münzen profitieren. Italienische Bankiers und Händler wie Francesco Datini dominierten dieses Verfahren um 1400 vollständig, und auch Venezianer, wie Giacomo Badoer beherrschten dieses Spekulationsverfahren virtuos. Das wiederum zog Bankiers aus dem Reich an, die auf die entwickelten Strukturen Italiens zurückgriffen. Dabei war die Einklagbarkeit von Wechseln ein zentraler Schritt, der kurz nach 1400 in Barcelona erstmals vollzogen wurde.

Spätestens Ende des 14. Jahrhunderts bestand in Venedig eine Seeversicherung, wie sie Genuesen und Florentiner schon länger besaßen. Im Allgemeinen wurde damit allerdings nicht das Schiff versichert, sondern die Waren, die es transportierte. Durchschnittlich zahlte man 6 % des Warenwerts, mit starken Abweichungen nach unten und nach oben. Diese Abweichungen dürften in Abhängigkeit von der Dauer der Reise, der geladenen Ware und der Sicherheit der Seewege geschwankt haben.

Die Kommunikation innerhalb der wachsenden und komplexer werdenden Handelsgesellschaften erforderte extensiven Schriftverkehr. Dazu kam, dass die meisten Kaufleute sehr früh dazu übergingen, ihre Aufzeichnungen in ihrer Muttersprache, dem Volgare zu schreiben, nicht mehr in Latein. So galt das Schreiben in der adligen Lebenswelt noch lange als verachtenswert, während diese Tätigkeit im venezianischen Fernhandel zur Grundausbildung gehörte.

Üblicherweise lernte man drei Jahre lang Elementarwissen, ging danach zur Abakusschule. Der eigentliche Umgang mit Kaufmannsschriftgut (Rechnungsbücher, Kontoführung, Buchhaltung usw.) wurde allerdings in der Praxis, in der Niederlassung eines Kaufmanns vermittelt.

Durch die Buchführung wurden Geschäftserfolge oder -misserfolge genau und zeitnah messbar, durch die ständige Aktualisierung der Daten aber auch rationaler steuerbar. Dennoch darf nicht übersehen werden, dass nicht alle Handelshäuser diese Technik für nötig hielten. Klare Darstellung und weitere Verbreitung fand dieses System, das als scrittura alla veneziana bekannt war, durch die „Summa di Arithmetica“ des Luca Pacioli von 1494. In Venedig benutzten es die Soranzo und andere bereits seit den 1430er Jahren.

Daneben entwickelte sich ein komplexes Instrumentarium verschiedener Bücher, Kladden, Heftchen, Zettel, aber auch Übertragungen, Vervielfältigungen und schließlich geheimer Bücher, wie sie von Francesco Datini umfangreich erhalten sind. Im 15. Jahrhundert entwickelte sich ein eigener Handbuchtyp, die Beschreibung der Buchhaltungsmethoden, wie sie 1494 Benedetto Cotrugli verfasste.

Dieses System korrespondierte aufs Engste mit Methoden der Warenkennzeichnung und -registrierung durch die Händler und die Zollstellen. Auch die regelmäßigen Mitteilungen, die sich in den Händlerbriefen finden, die Listen von Wechselkursen, von Maßen und Gewichten, von regionalen Handelsgebräuchen, beförderten das Handelswesen. Eigene Handelshandbücher, pratiche della mercatura genannt, zirkulierten in zahlreichen Handschriften. Dem Informationsbedarf trug Venedig Rechnung, indem es den Nachrichtentransport übernahm und regelmäßige Eilboten unterhielt, die beispielsweise den Weg von Venedig nach Brügge in einer Woche zurücklegten.

Venedig war im 15. Jahrhundert die zweitgrößte Stadt Italiens. Doch der Zustrom muss gewaltig gewesen sein, was die Miet- und Kaufpreise in die Höhe trieb. Daher griff die Kommune durch Preisfestsetzungen an vielen Stellen ein. So genannte calmieri schrieben die Preise für Brennholz, Öl, Fleisch und vor allem Brot vor.

Prinzipiell machte man dabei den Brotpreis vom Weizenpreis abhängig. Jedoch änderte sich der Preis des Brotes nur sehr selten, stattdessen wurde das Gewicht angepasst. Bei hohen Weizenpreisen wurden die Brote also kleiner, bei niedrigen größer. Da Venedig allein für seine Bewohner jährlich rund 30.000 t Weizen einführen musste – von den enormen Mengen, die der Versorgung halb Oberitaliens dienten, einmal abgesehen –, handelte es sich um eines der größten Geschäftsfelder überhaupt. Dazu einem der brisantesten, so brisant, dass 1268 der Doge auf offener Straße erschlagen wurde, als nur das Gerücht von Preiserhöhungen die Runde machte. Dass nur die Gebühren an den Mühlen erhöht werden sollten, zeigt, dass jedem Venezianer klar war, dass die Erhöhung dieser Gebühren für eine Verkleinerung der Brote sorgen würde.

Doch genau dies zeigt auch, dass sich die Lebenssituation bis zum 15. Jahrhundert deutlich verbessert hatte, denn es war inzwischen kein Problem mehr, aus Mahlgebühren und Zöllen hohe Beträge für den Fiskus einzuziehen, ohne dass sich die unteren Schichten der Bevölkerung dermaßen bedroht fühlten, wie noch zwei Jahrhunderte zuvor.

Die neuzeitlichen Kriege – vor allem, als die Großmächte Frankreich, Spanien und des Reiches 1508 venezianisches Gebiet berührten – unterschieden sich in ihren Folgen für Venedig erheblich von den zuvor geführten Kriegen. Die Landkriege wurden schon länger von Condottieri geführt, von denen sich Venedig dank seiner Ressourcen die teuersten leisten konnte. Damit blieb die Wirtschaftsmetropole, abgesehen von den Belastungen der Staatskasse, in erstaunlichem Maß von ökonomischen Schäden verschont.

Das sah jedoch bei den Seekriegen inzwischen anders aus. Sie wurden nicht von Söldnern, sondern von den venezianischen Seeleuten selbst getragen. Abgesehen von den hohen Kosten, die beispielsweise der Krieg gegen die Osmanen von 1499 bis 1503 verursachte, schädigten Tod, Verstümmelung und Gefangenschaft dieser Männer die wirtschaftlichen Grundlagen Venedigs. Arbeitskräftemangel war sowohl in den Kolonien als auch in Venedig selbst immer wieder ein fast unlösbares Problem.

Der Konflikt mit der von Papst Julius II. geführten Liga von Cambrai, zu der auch Kaiser Maximilian I. gehörte, der die Terra ferma als ehemaliges Reichsgebiet zurückforderte, drohte selbst die Mittel Venedigs zu überfordern. Damit nicht genug gehörten auch Spanien, das die von Venedig besetzten Häfen Apuliens zurückverlangte, Frankreich, das Cremona forderte, und Ungarn, das Dalmatien wieder seinem Staatsgebiet einverleiben wollte, der Liga an.

Nur dadurch, dass alle Handwerker Freiwillige stellten, Matrosen als Soldaten für den Landkrieg eingesetzt wurden, und man neue Geldquellen erschloss, konnte es dem späteren Dogen Andrea Gritti gelingen, das bereits verlorene Padua im Juli 1509 zurückzuerobern.

Dabei war der Monte Vecchio inzwischen mit 6 Millionen Dukaten, der Monte Nuovo mit mehr als 3 Millionen völlig überschuldet, und es musste jede Rückerstattung und Verzinsung eingestellt werden. An ihrer Stelle gründete man den Monte Nuovissimo, wenig später den Monte del Sussidio, dessen Name schon verrät, dass er nur der Unterstützung (der Kriegsmaschinerie) diente.

Zwar brachten in den Sommermonaten die Galeeren Waren im Wert von über 600.000 Dukaten herbei, aber sie konnten nicht ausgeliefert werden, da Venedig abgeriegelt war. Das auf Fernhandel basierende Wirtschaftssystem konnte nur sehr kurze Zeit ohne Außenkontakte überleben. Die Kriegswende brachte die Diplomatie, der es gelang, ein Bündnis mit Spanien und dem Papst gegen die Franzosen zu schließen.

So katastrophal der Krieg und seine Folgen im Einzelnen waren, so gefährlich wie die portugiesische Konkurrenz im Gewürzhandel (vor allem Pfeffer und Gewürznelken) und die von Antwerpen und Sevilla im Transatlantikhandel waren, so gelang es Venedig dennoch, als Finanzplatz, als Umschlagplatz für Metalle und für Waren aus dem Osmanischen Reich fortzubestehen. Und obwohl die Osmanen 1517 Ägypten eroberten und Alexandria für über dreißig Jahre ausfiel, verlagerte Venedig seinen Handel nun vollends nach Syrien, wo der Austausch auch vom Aufschwung Persiens und des Osmanenreichs selbst profitierte. Als 1505 das Handelshaus der Deutschen nach einem verheerenden Brand noch größer wieder aufgebaut wurde, genügten seine Räumlichkeiten noch immer nicht dem gestiegenen Andrang. Die Tuchproduktion verzwanzigfachte sich von 1516 bis 1569. Doch die stärksten Impulse lieferten die künstlerische und kunsthandwerkliche Produktion für den schnell wachsenden Luxusmarkt – sowohl innerhalb Venedigs, als auch im gesamten europäisch-mittelmeerischen Raum.

War die Bevölkerungszahl Venedigs 1509 wohl auf unter hunderttausend gefallen, so stieg sie im letzten Viertel des 16. Jahrhunderts auf rund 175.000. Dies war nicht zuletzt darauf zurückzuführen, dass neue Industrien blühten.

Die zeitweilige Abriegelung von den Lebensmittelmärkten des Ostens und Südens hatte zur Folge, dass mehr Kapital und Arbeit in den Landausbau in Oberitalien flossen. Damit versuchte man, eine Brotversorgung ohne extreme Abhängigkeiten von der Außenpolitik zu sichern.

Im Krieg gegen die Osmanen von 1537 bis 1540 war Venedig mit Kaiser Karl V. verbündet. Doch Andrea Doria, Führer der gemeinsamen Flotte, unterlag 1538 bei Preveza. Erstmals errangen die Osmanen damit die Seeherrschaft. Außerdem musste Venedig 1540 einen Friedensvertrag unterzeichnen, der der Hohen Pforte das Herzogtum Naxos überließ.

Bis 1545 hatten die Flottenführer noch erhebliche Mengen an freien Männern für die Galeeren anwerben können, wenn diese auch nur noch selten Venezianer waren. Sie stammten aus Dalmatien, von Kreta und aus Griechenland. Nun ging man zunehmend zur Zwangsverpflichtung von Gefangenen und Schuldnern über, wie es im übrigen Europa bereits seit langem in Gebrauch war. Langfristig dürfte dies den Arbeitsmarkt insofern verändert haben, als immer weniger Lohnarbeiter ihren Lebensunterhalt auf See verdienten.

Doch selbst die Tatsache, dass Venedig in einem ungeheuren Kraftakt nochmals all seine Erfahrung, seine Mittel und Arbeitskräfte anspannte, indem es mehr als die Hälfte der über 200 Galeeren baute, die die Osmanen 1571 vor Lepanto besiegten, änderte nichts daran, dass es im Konzert der Weltmächte nicht mehr mithalten konnte. Außerdem unterstützte Spanien Venedigs Anspruch auf Zypern nicht weiter, und so musste es im Frieden von 1573 endgültig auf die Insel verzichten.

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