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Geschichte

Als Reichstaler (Abkürzung im Deutschen: Rthlr., Rthl., rthl., Thl.) wurde eine anfänglich im 16. Jahrhundert geschaffene reale, große (grobe) Kurantmünze im Werte von 24 (Reichs-)Groschen, 36 lübischen Schillingen oder 68…72 Kreuzern bezeichnet, die sich dann später – als viele Münzstände den vorgeschriebenen Münzfuß nicht mehr so genau einhielten – zur theoretischen Rechnungsmünze entwickelte. Dieser Prozess setzte schon zur Mitte des 16.Jh. ein.

Siehe ergänzend: Taler, Vereinstaler, Dollar

Die Namensbezeichnung entstand aus dem beliebten und feingehaltstabilen Joachimsthaler Guldiner (Guldengroschen) zum Ende des 15. Jh. Der Begriff „Reichstaler“ beziehungsweise „Reichsguldiner“, wobei Guldiner das ursprüngliche silberne Äquivalent des Goldguldens bezeichnete. Er sollte eine im ganzen Heiligen Römischen Reich deutscher Nation einheitliche und überall kursfähige silberne Großmünze bezeichnen, die die unterschiedlichen Münzstände nach einheitlichen Münzfuß, aber verschiedenen Gepräge herausbringen sollten und konnten. Anfänglich wurde der Feingehalt sehr genau eingehalten, was besonders lange Zeit für die kaiserlichen Reichstaler galt. Die anfängliche Wertgleichheit zwischen Goldgulden bzw. Dukat und dem silbernen Guldiner um 1500 entwickelte sich in den folgenden Jahrzehnten bzw. Jahrhunderten durch Silberfeingehaltsverschlechterungen und der relativen Wertzunahme des Goldes zum Silber langsam auseinander, so dass am Ende des 18. Jahrhunderts eine etwaige Wertrelation zwischen Dukat und Reichstaler dann bei etwa 1:2,75 bestand.

Mit dem Ende des 16. Jahrhunderts und besonders um 1618 bis 1623 trat zuerst ein Wertverfall der Kleinmünzen, wie Groschen, Kreuzer, Pfennige durch Münzverschlechterung (Kipper- und Wipperzeit) ein, der sich später sogar merklich auch auf die groben Taler und Talerteilstücke der kleineren Münzstände erstreckte, die teilweise um 1622 stark kupferhaltige „Kippertaler“ prägten.

Die Kleinmünzen, die anfänglich noch um 1570 Kurantgeld waren, sanken ab ca. 1600 zu nur noch schwer in Kurantwährung umwechselbaren Scheidemünzen herab und das bei schlechten Wechselkursen. Durch das Entstehen dieser damals noch unbekannten neuen Geldart „Scheidemünze“ ließen sich die gesetzlichen Kurse zum theoretisch vollwertigen Taler nicht mehr einhalten, so dass der „gute Reichstaler“ zu einer reinen Rechnungseinheit wurde, zumal die späteren regionalen Taler des 16./17.Jh. oft auch nicht mehr dem vorgeschriebenen Reichsfuß entsprachen, obwohl noch nach 1648 der Spruch „Nach altem Schrot und Korn“ im Revers eingeprägt war.

Aus der Zeit, ab etwa 1540, stammen auch die ersten Valvationstabellen, die eine Übersicht darüber geben, in welchen Wertverhältnis die einzelnen regionalen Talermünzen zum theoretischen Reichstaler (= gesetzlicher Reichsfuß) standen, die zuletzt nur noch von wenigen Münzständen im exakten Feingehalt geprägt wurden. Diese Tabellen wurden von den Reichstagen und privaten Handelshäusern bzw. Druckereien bis etwa 1870 herausgegeben und begannen gewöhnlich auf ihren ersten Seiten mit den vollwertigen und endeten auf den letzten Seiten mit den unterwertigsten Talermünzen und deren Teilstücken, entsprach also einer Rangfolge der Solidität der Münzstände. Häufig wurden die valvadierten Münzen zusätzlich noch als Kupferstich abgebildet.

In der Graumannschen Münzreform wurde in Preußen ab 1750 wieder ein neuer Reichstaler eingeführt, der für das Königreich Preußen gelten sollte, womit Rechnungseinheit und reale Münze wieder identisch waren, zumal auf den Talermünzen und deren Teilstücken der Name „Reichstaler“ offiziell aufgeprägt war. Der wiederbelebte Begriff sollte offenbar an den alten, guten Reichstalerbegriff des 16. Jahrhunderts anknüpfen und Vertrauen schaffen. Allerdings war der neue preußische Reichstaler ab 1750 im Silberfeingehalt wesentlich niedriger als der alte.

In den Niederlanden und Schweden gab es ebenfalls reale Münzen mit der Bezeichnung Rigsdaler, Rijksdaalder etc. Der Talerbegriff übertrug sich auf viele Großsilbermünzen verschiedener Länder, wie z. B. auch auf den amerikanischen Dollar.

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