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Bis zum 9. Jahrhundert

Die kommerzielle Revolution mit ihren neuen Organisations-, Lebens- und Kulturformen führte zu einer zuvor nie gesehenen Dominanz des Wirtschaftlichen, des Rechenhaften und der Kontrollmechanismen. Venedigs Handelstechniken, Gesellschaftsformen und Finanzierungsmethoden, aber auch Mittel der Wirtschaftsförderung, sind der europäischen Entwicklung oft weit vorausgeeilt.

Kreuzzüge und die Eroberung Konstantinopels öffneten für mehrere Jahrhunderte zugleich den direkten Handel bis tief nach Asien, doch erforderten diese Handelsreisen, ebenso wie die Ausstattung der regelmäßigen Schiffskonvois, Kapitalmengen, die überwiegend als Kredite bereitgestellt wurden. Dabei verfügte nur der Adel über das Recht, den Fernhandel zu betreiben – bekannt ist das Quasi-Monopol im Pfefferhandel –, derselbe Adel, der auch die politische Führung monopolisierte.

Trotz der Dominanz des Zwischenhandels war der Schiffbau die herausragende „Industrie“ und der mit Abstand größte „Arbeitgeber“. Dazu kamen im Spätmittelalter die Produktion von Tuchen, von Seide und Glas. Von größter Bedeutung waren ebenso der monopolisierte Salzhandel und der Getreidehandel, der nicht weniger zum Vermögen des Adels beitrug, als der gesamte übrige Handel.

Von Anfang an hatte sich Venedig scharfer Konkurrenz zu erwehren, und lieferte sich allein mit Genua vier umfassende Kriege. In der Frühen Neuzeit verlor Venedig nach und nach seine Kolonien an die Osmanen und büßte die Monopolstellung in der Adria ein. Zudem verdrängten Holländer und Engländer die venezianische Konkurrenz und die Portugiesen zogen den Gewürzhandel an sich. Darüber hinaus erschwerte der Protektionismus in den Staaten Europas und im Osmanenreich den Marktzugang.

So basierte die Regionalmacht am Ende überwiegend auf der Produktion von Luxusartikeln und der Agrarproduktion des oberitalienischen Festlands.

In der Antike lag der Meeresspiegel mehrere Meter tiefer als heute. Griechische und etruskische Spuren deuten auf frühere Besiedlung hin, als lange angenommen. Chioggia (Clodia) war eine römische Militärsiedlung und im Fontego dei Turchi am Canal Grande kam eine Münze aus der Zeit Kaiser Trajans zu Tage.

Spätestens im 6. Jahrhundert spielen Fischerei, besonders Meersalz und Getreide die Hauptrollen. Um 750 untersagte jedoch der Langobardenkönig Aistulf jeden Handel mit den byzantinischen Untertanen, damit wohl auch mit den Orten der Lagune.

Doch um 780 lassen sich Händler in Pavia fassen, die orientalische Waren zum Verkauf anboten, wie Purpurstoffe aus Tyros. Bereits vor 785 residierten außerdem venezianische Händler in Ravenna und in der Pentapolis, die von den Franken 787/791 „vertrieben“ wurden. Schon früher waren sie zu Zeiten Papst Zacharias' (741–52) im Sklavenhandel mit den Sarazenen tätig.

Der Handel war dabei noch überwiegend Tauschhandel. Zwar kannte man Münzen, und man prägte sogar eigene, indem man die kaiserlichen, z. B. die Kaiser Ludwigs des Frommen, übernahm und auf der Rückseite „Vinicias“ einprägte. Doch bevorzugte man die Münzen Veronas. Eine eigene Münzprägestätte, die Zecca (arab. Münze), lässt sich zu Anfang des 9. Jahrhunderts fassen.

Die frühe Phase der „Feudalisierung“ mit dem Erwerb umfangreicher Landgüter brachte erste, größere Kapitalmengen in die Hand einzelner Familien. Das Testament des Dogen Giustiniano Participazio von 829 zeigt, dass außer den Wirtschafts- und Wohnbauten Handelsgüter, Schmuck, vor allem aber Bargeld und Kredite zu seinem Vermögen gehörten – und schließlich erhebliche Summen, die zur Zeit seines Todes noch in Handelsunternehmen steckten. Die Führungsschicht war also fast von Anfang an sehr stark im Handel tätig, im Gegensatz zu ihren Standesgenossen auf dem Festland.

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